Haftungsmodifizierte Polyamide

Haftungsmodifizierte Polyamide ( HM-Typen) sind mit Polymerkomponenten modifizierte Polyamide, die sowohl hydrophile als auch hydrophobe chemische Gruppierungen enthalten und damit eine Affinität und Kompatibilität ( Mischbarkeit ) zwischen den hydrophilen Polyamiden und hydrophoben Polyolefinen und deren Copolymeren aufweisen. Polyamide sind generell mit Polyethylen, Polyolefinen und anderen Copolyolefinen nicht mischbar und nicht verträglich. Eine Kombination dieser beiden Kunststoffklassen zur Erzielung sehr unterschiedlicher Eigenschaften an einem Kunststoff-Fertigteil ist nur möglich, wenn die weichen, elastischen Thermoplaste mit polaren Gruppen im Makromolekül versehen werden. Damit kann ein guter Verbund zu allen Polyamid-Typen erzielt werden. Andererseits werden Polyamide mit carboxylgruppenhaltigen Polymeren so modifiziert, dass die sowohl hochschlagzäh sind, als auch gleichzeitig durch hydrophobe Segmente der Modifikatoren einen Verbund mit polyolefin-ähnlichen Polymeren bewirken können. Durch die für solche haftungsmodifizierten Polyamide bekannte Verbundspritzgiess-Technologien werden harte, glasfaserverstärkte Polyamid-Typen direkt in einem Fertigteil mit weichen, flexiblen, thermoplastischen Elastomeren verbunden. Mehrere Verfahren sind hierbei möglich: Beim Überspritzen werden vorgefertigte Teile der weichen Komponente in die Form eingelegt und mit PA, GF überspritzt. Spritzschweissen und
2-Komponentenspritzgiessen erfolgen durch gleichzeitiges oder hintereinander erfolgendes Einspritzen der beiden verschiedenen Kunststoffschmelzen aus zwei Maschinen in eine Form, wobei die Polyamide mit den höheren Erstarrungstemperaturen möglichst etwas zeitverzogen eingespritzt werden. Massgebend für die Qualität des Verbundes und des 2-Komponententeils sind natürlich auch die geometrischen Verhältnisse. Als weiche, thermoplastische Elastomere TPE sind Polypropylen- und Polyethylencopolymere und deren Blends, wie PP/EPDM-Blends, Polyether- und Polyesterurethane ( TPE-U ), Styrol-Ethylen-Butylen-Styrol Blockcopolymere ( SEBS ) und strahlenvernetzbare TPE mit Shore-Härten von A 55 bis A 80 im Einsatz. Die haftungsmodifizierten Polyamide auf Basis Polyamid 6, Polyamid 66 und Polyamid 12 sind alles steife, mit 25% resp. 40% Kurzglasfasern verstärkte Spritzgiesstypen, die durch den Haftungsmodifikator gleichzeitig eine bessere Schlagzähigkeit aufweisen. Steckergehäuse im Nassbereich erfordern eine gute Dichtung zwischen einzelnen Teilen. Mit den HM-Typen lässt sich eine Dichtung aus TPE durch 2K-Spritzgiessen einbringen.
Aufgrund der Verträglichkeit beider Werkstoffe ist auch ein späteres Recycling möglich.
Andere sinnvolle Anwendungen sind: Gehäuse/Dichtung, Gehäuse/Schaltmembran, steife
Teile mit weicher Oberfläche für weichen Griff und Vibrationsdämpfung, Verrutsch=
sicherung und Abdichtung zwischen Stecker und Kabel. Die EMS-GRIVORY produziert und vermarktet folgende haftungsmodifizierten Polyamide mit 15% bis 50% Glasfaserverstärkung: GRILON BGZ ( PA 6 ), GRILON AG ( PA 66 ),
GRILON TSGZ ( PA 66+PA 6-Blend ). Aber auch haftungsmodifiziertes GRILAMID
( PA 12 mit GF ) und GRIVORY ( Hochtemperaturpolyamid mit Glasfasern ) sind erhältlich,
beziehungsweise herstellbar.

       

 

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